Ultralauf-Pionier Werner Sonntag kommt nach Berlin

Im nächsten Jahr wird der Laufpionier und Buchautor Werner Sonntag sage und schreibe 87 Jahre alt. Bis vor wenigen Jahren war Werner noch als Läufer aktiv, so 2003 beim Graubünden-Marathon. Inzwischen lässt er es verständlicherweise ein klein wenig ruhiger angehen. Berühmt wurde der Journalist vor allem durch sein 1978 erschienenes Buch „Irgendwann musst du nach Biel“, mit dem er dem 100-Kilometer-Lauf in der Schweiz in literarisches Denkmal setzte. 1989 war Werner Finisher beim Spartathlon, ebenso 1990. 1974 gründete er den ersten Stuttgarter Lauftreff. Unvergessen ist auch sein Besuch bei der 100Meilen-Premiere 2011 in Berlin, als er Teile der Strecke abwanderte. Und auch für die zweite Auflage 2013 hat Werner Sonntag sein Kommen angekündigt. Alexander von Uleniecki, im Orga-Team der 100MeilenBerlin für die Pressearbeit zuständig, sprach mit Werner über Wünsche, Geheimnisse und Ziele.
Interview
Werner, zu unserer Freude wirst Du bei den 100MeilenBerlin 2013 wieder vorbeischauen. Was sind die Gründe?
Mehrere Gründe bewegen mich, nach Berlin zu kommen. Die Veranstaltung möchte ich mir wieder anschauen, weil sie mir politisch wichtig erscheint und offenbar auch von anderen so wahrgenommen wird. Ich möchte weitere Abschnitte der Strecke kennenlernen und in „LaufReport“ über die 100 Meilen schreiben. Zudem komme ich, da ich zweieinviertel Jahre in Ostberlin gelebt habe, gern nach Berlin. Es ist für mich immer eine anregende Stadt gewesen. Wenn es sich ergibt, werde ich mir eine Ausstellung ansehen. Ich benütze zudem die Gelegenheit, Erinnerungsstücke in das Sportmuseum Berlin zu transportieren. Ein Comeback auf die Laufstrecke ist in Anbetracht der reduzierten Grundschnelligkeit nicht mehr sinnvoll, erst recht nicht auf 100 Meilen. In mein Gehtraining baue ich zwar jedes Mal Laufabschnitte über 50 Meter ein, aber das reicht bei weitem nicht einmal für einen 10-Kilometer-Volkslauf.
Das hast unzählige Läufe in Deinem Leben er- und durchlebt, natürlich auch viel darüber geschrieben. An welches Laufereignis denkst Du besonders gerne zurück?
Unter meinen 339 Marathon- und Ultramarathonläufen gibt es viele, an die ich gern zurückdenke. Schon aus der Summe von 33 Teilnahmen mit Finish und vier weiteren aktiven Teilnahmen ergibt sich, dass mir die 100 Kilometer von Biel in weiten Teilen immer gegenwärtig sind. Stark beeindruckt hat mich mein erster New York-Marathon – dies zu einer Zeit, in der es noch keinerlei andere City-Marathons gab. Und schließlich war der erste Spartathlon mit Finish ein überwältigendes Ereignis.
Jeder hat seine eigenen Motive und Motivationen, so lange Strecken unter die Füße zu nehmen. Was war Dein Antrieb in den vielen Jahren?
Die Motivation für die Teilnahme gerade an langen Läufen ist, meine ich, Neugier. Schon auf Wanderungen, die ich als Kind mit meinen Eltern, als Jugendlicher und als Erwachsener im Urlaub unternommen habe, wollte ich wissen: Was kommt nach der nächsten Biegung des Wanderweges? Welchen Berg sollte ich unbedingt besteigen? Wie sieht das Tal aus, das ich auf der Karte betrachte? Unter „Neugier“ verstehe ich nicht die Gier nach Klatsch oder nach Pseudo-Neuheiten der digitalen Welt, sondern den Wunsch, die Erscheinungen der Welt kennenzulernen. Wissenschaftler, die nicht neugierig sind, haben ihren Beruf verfehlt. Laufen ist zum Teil auch die Neugier auf das, was sich dabei im Innern abspielt.
Man glaubt es kaum, aber Du bist inzwischen 86 Jahre alt. Wie schafft man das?
Die Dauer unseres Lebens können wir nicht selbst bestimmen, aber wir können Bedingungen dafür schaffen, dass wir es nicht verkürzen. Als diese Bedingungen sehe ich an: Gesunde Ernährung – seit 1981, als ich an einschlägige Erkenntnisse gelangt war, ernähre ich mich vollwertig (vitalstoffreiche Vollwertkost nach Dr. Bruker), Bewegungstraining – wir sind auf ständige Bewegung angelegt, und Psychohygiene – was immer man darunter versteht; bei mir ist es das Schreiben.
Welche Ziele hast Du Dir gesetzt?
Die physischen Herausforderungen, die mir noch offen stehen, sind für einen Ultraläufer gering geworden, aber ich suche sie. Im Jahr 2013 werde ich beim GutsMuths-Rennsteiglauf die Wanderung von Oberhof nach Schmiedefeld unternehmen. Mit einem Sportfreund plane ich eine Wanderung im Riesengebirge. Intellektuell: Ich bin so weit, dass im Jahr 2013 ein völlig neu geschriebenes Buch unter dem alten Titel „Mehr als Marathon“ erscheinen kann.
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