2019 ehren wir Dieter Wohlfahrt

Im 30. Jahr nach dem Mauerfall ehren wir Dieter Wohlfahrt. Nach einem verwehrten Oberschulbesuch in der DDR lernt Dieter in West-Berlin und pendelt zwischen den Sektoren. Nach der Grenzschließung bleibt er in West-Berlin und schließt sich noch während seines Chemiestudiums an der TU-Berlin der studentischen Fluchthilfegruppe um Dieter Thieme und Bodo Köhler an. Er hilft ehemaligen Mitschülern, Verwandten und Bekannten bei der Flucht aus der DDR in den ersten Wochen durch Abwasserkanäle. Sein österreichischer Pass hilft ihm zwischen den Grenzen zu pendeln. Als „Deckelmann“ reist er nach Ost-Berlin und öffnet unauffällig die Deckel der Kanalisation für die Flüchtenden.

Am 09.12.1961 fährt er mit Elke C., Karl-Heinz Albert und einem weiteren Freund nach Staaken, um der Mutter von Elke C. die Flucht zu ermöglichen. Dieter Wohlfahrt schneidet mit einem Bolzenschneider den Grenzzaun auf, als von der östlichen Seite Frau C. auf sie zukommt und nach ihrer Tochter ruft. Kurz darauf wird von den DDR-Grenzposten auch schon geschossen. Karl-Heinz Albert gelingt es wieder in den Westen zu kommen. Dieter Wohlfahrt bricht zusammen und bleibt an der Grenze regungslos liegen. Rettungsversuche der West-Berliner Polizei und britischer Militärpolizei werden von den DDR-Grenzposten mit Waffengewalt unterbunden. Von östlicher Seite bekommt er keine Hilfe. Über eine Stunde bleibt er regungslos an der Grenze liegen, ohne noch einmal ein Lebenszeichen von sich zu geben. Dann wird er abtransportiert.


100 Meilen Berlin - Der Mauerweglauf |