Berlins größter Ultra-Marathon-Lauf am 16./ 17. August 2014


So mancher zählt bereits die Tage bis zum Start des Mauerweglaufs 2014 am 16. August. Wenn dann um 6 Uhr in der Früh im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark das Startsignal gegeben wird, werden sich voraussichtlich an die 300 Ultramarathonläufer  auf den 160,9 Kilometer langen Weg rund um das westliche Berlin machen. Immer dem Mauerweg folgend, der an das Leid und die Opfer der Berliner Teilung erinnert. Zusammen mit den Staffeln, die in diesem Jahr recht zahlreich vertreten sind, werden die 100MeilenBerlin bei ihrer dritten Auflage (nach der Premiere 2011 und 2013) in jedem Fall einen Teilnehmerrekord verzeichnen können.

Was beim Blick auf die Starterliste gleich auffällt, ist die große Zahl an ausländischen Teilnehmern. Ihr Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt! Italien führt das Nationen-Ranking an, dicht gefolgt von Großbritannien. Aber auch Ultraläuferinnen und Ultraläufer aus den USA, Dänemark, Frankreich, Australien, Ungarn, Uruguay, Japan, China, Argentinien, Tschechien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Estland, Schweden, der Schweiz, Kanada, Irland und der Türkei  werden diesmal dabei sein. "Grenzenlos laufen", das Motto der LG Mauerweg, trifft hier auf besondere Weise zu.

Vorjahressieger Peter Flock aus Thüringen wird wieder an den Start gehen und versuchen, seinen Titel zu verteidigen. Starke Konkurrenz bekommt er u.a. aus Japan, denn mit Tsutomu Nagata ist einer mit von der Partie, der die 100-Meilen-Distanz ebenfalls in unter 16 Stunden laufen kann. Bei den Frauen dürfte Grit Seidel von der LG Nord Berlin zum engeren Favoritinnenkreis zählen. Kerstin Fenzlein, im vergangenen Jahr überglückliche Zweitplatzierte, muss diesmal verletzungsbedingt pausieren, wird aber als helfende und fachkundige Hand im 100Meilen-Orga-Team mitarbeiten.

Wobei wir anmerken wollen, dass generell alle Teilnehmer, die sich dieser Herausforderung stellen und am Ende sogar im Ziel ankommen, Gewinner sind! Und wenn nur mit jedem Mauerwegläufer die Botschaft verbreitet wird, dass es mal eine menschenverachtende Grenze gab, die es so nie wieder geben darf, dann haben alle - ob Läufer oder Nichtläufer - gewonnen.  

Zu den Gewinnern zählt in jedem Fall schon jetzt das Staffel-Projekt von Thomas Kaupel, dem Sportclub Lebenshilfe und den Karower Dachsen: Sie bringen eine Inklusions-10er-Staffel an den Start, d.h. von den zehn Staffelmitgliedern haben fünf eine Beeinträchtigung. Drei sind blind, einer fährt im Rollstuhl, und ein Läufer hat das Down-Syndrom. Unterstützt wird diese einmalige Staffel von der blinden Marathon-Weltrekordlerin Regina Vollbrecht.

Sigrid Eichner ist ein Titel schon jetzt nicht zu nehmen, nämlich den der ältesten Teilnehmerin. Die Berliner Lauf-Legende wird in diesem Jahr 74 Jahre alt! Und wie sagte Sigrid selbstbewusst in einem Interview: "Ich will nicht Letzte werden...!"



"Niemand hat die Absicht, 100 Meilen zu laufen"!


Der abgewandelte Spruch von Walter Ulbricht hat mittlerweile fast schon Kult-Charakter. Zu sehen u.a. auf den neongelben Vereinsshirts der LG Mauerweg. "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", sagte im Juni 1961 der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende im "Haus der Ministerien" in Ost-Berlin vor Journalisten. Eine Lüge, wie sich nur zwei Monate später herausstellen sollte, als mit dem längst beschlossenen Bau der Berliner Mauer begonnen wurde. Zahlreiche Menschen kamen in der Folgezeit bei dem Versuch ums Leben, in den Westen zu flüchten. Erst im November 1989, vor fast genau 25 Jahren, fand das Drama an der Grenze bekanntlich ein gutes Ende - der Höhepunkt der unglaublichen "friedlichen Revolution" in der DDR. 


53 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer will der Mauerweglauf erneut an dieses Ereignis auf sportliche Weise erinnern. Und wie es der Name schon sagt: Gelaufen wird auf dem Mauerweg, der in einer großen (größtenteils asphaltierten) Runde um das westliche Berlin führt und überwiegend genau dort verläuft, wo einst die Mauer stand. Nur an ganz wenigen Stellen wird der Mauerweg verlassen. In diesem Jahr wird übrigens im Uhrzeigersinn gelaufen, im nächsten Jahr folgt wieder die Gegenrichtung.

Das Zeitlimit beträgt 30 Stunden - innerhalb dieser Zeit wird man gewertet. 27 Verpflegungspunkte entlang der Strecke sollen dafür sorgen, dass dieses Ziel auch möglichst erreicht wird.


160,9 Kilometer, die einem Mann gewidmet sind: Peter Fechter


Die 100MeilenBerlin finden seit 2013 jährlich statt, nämlich stets an dem Wochenende, das 
auf den offiziellen Mauerbau-Gedenktag, den 13. August, folgt. Und in jedem Jahr wird der Lauf einem anderen Maueropfer gewidmet. 



Diesmal erinnern die Läufer an Peter Fechter, der 1962 an der Mauer, unweit des bekannten Checkpoint Charlie, bei einem Fluchtversuch starb und mit seinem Schicksal die Welt bewegte. Von Schüssen getroffen, verblutete er im Grenzstreifen - weder DDR-Grenzsoldaten noch die Westalliierten wollten oder konnten ihm helfen. 

Zum Gedenken an Peter Fechter wird die Finisher-Medaille sein Konterfei tragen. Außerdem wird sich der erste Verpflegungspunkt in unmittelbarer Nähe des Mahnmals in der Zimmerstraße befinden. Wir danken auch sehr herzlich Gisela Geue, die uns ein Foto ihres Bruders zur Verfügung gestellt hat. 




Der Filmemacher Wolfgang Schoen hat das Leben von Peter Fechter und die dramatischen Ereignisse aus dem Jahr 1962 in eindrucksvoller Weise nachgezeichnet. Wir werden Auszüge aus diesem Filmdokument im Rahmen der Siegerehrung zeigen, Wolfgang Schoen wird dabei unter den Gästen sein.


 

Das Grußwort von 100Meilen-Schirmherr Rainer Eppelmann

Rainer EppelmannLiebe Läuferinnen und Läufer, sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass sich dieser Berliner 100-Meilen-Lauf zu einer solchen Erfolgsgeschichte entwickelt hat und 2014 wieder mehr Teilnehmer denn je anzieht. Im 25. Jahr nach dem Mauerfall wird damit auf beeindruckende Weise an die innerdeutsche Grenze und ihren Fall 1989 erinnert. 

Von einem Tag auf den anderen zerschnitt die Berliner Mauer Familien, trennte Freunde, machte das bis dahin normale Leben in Berlin unmöglich. Ich selbst konnte seit dem August 1961 meine Schule nicht mehr besuchen, andere verloren ihre Arbeit oder ihren Studienplatz.

Vor allem aber wurde dieses Bauwerk zur Falle für alle 17 Millionen Eingesperrten, vor allem für Jene, die mutig oder verzweifelt raus wollten aus der DDR und ihre Fluchtversuche mit langen Gefängnisstrafen, mit schweren Verletzungen oder sogar ihrem Leben bezahlen mussten.

Wir erinnern uns in diesem Jahr besonders an eines der freudigsten Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte: Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, hatte die Mehrheit der Menschen in der DDR genug vom Eingesperrtsein in der Diktatur. Die Bürgerinnen und Bürger öffneten die Grenze und brachten die Mauer damit schließlich zum Einsturz. Heute erinnern nur noch wenige Mauerteile an diese unmenschliche Grenze, die West-Berlin einschloss und die gesamte DDR zu einem Gefängnis machte. Um so wichtiger ist es, das Gedenken an die jahrzehntelange deutsche Teilung und die Opfer der innerdeutschen Grenze lebendig zu halten. 

Der Berliner 100-Meilen-Lauf entlang des ehemaligen Mauerverlaufs leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Ich wünsche den 100MeilenBerlin, dass die Veranstaltung weiter so erfolgreich wachsen möge wie in den vergangenen Jahren und weiterhin viele Ausnahmeathleten an diese historische Strecke zieht. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wünsche ich einen erfolgreichen Lauf.


Ihr Rainer Eppelmann
Ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur


Zeitreise mit dem Mauer-Panorama von Yadegar Asisi


Seit Juli kooperieren die 100MeilenBerlin mit dem Panorama DIE MAUER am Checkpoint Charlie. Für die Teilnehmer des Mauerweglaufs bedeutet dies ganz konkret einen zusätzlichen Höhepunkt, schließlich laufen sie ungefähr bei Kilometer 9 (kurz vor dem Mahnmal Peter Fechter) direkt durch die Panorama-Rotunde entlang des Panoramas von Yadegar Asisi.

Der Berliner Künstler ist glücklich, dass beide Projekte zusammengefunden haben: "Ich denke, dass zwei unterschiedliche Ansätze eine fruchtbare Schnittstelle haben. Sowohl die sportive als auch die künstlerische Herangehensweise versuchen die Erinnerung an die Zeit der Berliner Mauer aufrecht zu halten und anzuregen, auch 25 Jahre nach Mauerfall die Erfahrungen der Vergangenheit für Handlungen der Gegenwart zu nutzen.“



Asisi macht in seinem Panorama-Kunstwerk die Zeit der Teilung am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie wieder erfahrbar und insbesondere für Nachgeborene erlebbar. Das monumentale Riesenrundbild mit 15 Metern Höhe und 60 Metern Umfang führt auf eine Zeitreise in den Alltag mit der Berliner Mauer in den 80er Jahren. Das alternative Leben in SO 36 mit seinen Punks, besetzten Häusern, einer Wagenburg oder einem Streichelzoo in Kreuzberg in West-Berlin ist völlig getrennt vom Leben im Bezirk Mitte in Ost-Berlin und dennoch nur einen Steinwurf entfernt. Todesstreifen und Grenzanlagen trennen Westteil und Ostteil, BRD und DDR, Kapitalismus und Kommunismus. DDR-Grenzsoldaten mit Schäferhunden sitzen in Wachtürmen und beobachten über den „antifaschistischen Schutzwall“ hinweg das bunte Treiben nur wenige Meter entfernt in West-Berlin. Zeigt sich Ost-Berlin als ein Häusermeer grauer Fassaden, wirkt auch Kreuzberg wie ein „vergessener“ grauer Stadtteil, in dem alternative Lebensformen und der Alltag von Migranten koexistieren.

Besonders zu erwähnen ist auch, dass Mauerwegläufer Oliver Liebert in diesem Jahr als "Asisi-Läufer" bei den 100MeilenBerlin dabei sein wird. Was er dabei alles erlebt, wird u.a. auch in einem speziellen Blog dokumentiert. 

Weitere Informationen unter www.asisi.de


Lauf-Guru Achim Achilles: "Absolute Ausnahmeleistungen!" 

Wenn einer was in der Lauf-Szene zu sagen hat und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, dann ist das Achim Achilles. Seine Kommentare und Kolumnen sind gefürchtet, Nordic Walker machen am besten einen großen Bogen um ihn. Uns ist er nicht ausgewichen und hat kurz ein paar Fragen beantwortet. 

Also, Achim, wir sind etwas überrascht: Ein Laufjunkie wie Du müßte eigentlich auf der Startliste des Mauerweglaufs  stehen. Kneifst Du?

Achim Achilles: Ihr lieben Ultras! Wann kapiert ihr eigentlich, dass Eure Dauerläufe nichts, aber auch gar nichts mit meinem Sport zu tun haben. Ihr vollbringt absolute Ausnahmeleistungen, während Menschen wie ich schon froh sind, wenn sie 10 Kilometer überleben, wenn vielleicht auch etwas schneller. Deswegen wird man mich auch in den nächsten 50 Jahren kaum bei einem solchen Monsterrennen auf der Starterliste finden.

...oder ist es die Sorge, irgendwann während des Laufs in die von Dir so geliebte Gruppe der Nordic Walker wechseln zu müssen?

Achim AchillesNatürlich. Ich bin ja schon nach zwei Stunden platt. Keine Ahnung, wie ihr es anstellt, ganze Tage lang rum um die Uhr zu rennen. Jajaja, ich weiß, man muss langsam starten und seinen gemächlichen Rhythmus finden. Aber das ist nur die körperliche Dimension: Aber was ist mit der Birne? Woran denkt ihr morgens um 3 Uhr allein im Wald? Warum legt ihr Euch nicht einfach ins Sani-Zelt? Ich verstehe das alles nicht, zolle euch "Irren" aber höchsten Respekt.

Was war Deine bisher längste Distanz?

Achim Achilles: 
Marathon. Dann noch die paar hundert Meter zur nächsten Rasenfläche. Und keinen Meter weiter. Mit dem Rad waren es schon mal 160 Kilometer an einem Tag, aber das ist lange her.

Man hat Dich schon häufiger auf dem Berliner Mauerweg gesichtet. Was verbindest Du mit diesem Weg?

Achim AchillesNatürlich die bewegte Berliner Geschichte. Natürlich den Mauerwegslauf. Aber auch die vielen Sonntagvormittage, als ich einen meiner beiden Söhne in irgendeine Sport-oder Schwimmhalle am anderen Ende der Stadt shuttlen musste. Und was ist dort, wo die Stadt zuende ist? Richtig: der Mauerweg, die perfekte Laufstrecke. Also machen die Kinder Sport und ich auch. Auf der Tribüne sitzen, Schokoriegel spachteln und brüllen „Lauf, Kevin, lauf!“, das halte ich für pädagogisch fragwürdig. Eltern haben eine Vorbildfunktion und Achim Achilles erst recht. 

Mehr von und mit Achim Achilles, vielen Lauf-Tipps und Veranstaltungshinweisen auch auf seiner Webseite www.achim-achilles.de.

Achim Achilles
Foto: Erich Francois
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