Rückblick 2019

„Niemand hat die Absicht 100Meilen zu laufen“ – und dann tun sie es doch.

Es ist der 17. August 2019. Es ist der Start des 8. Berliner Mauerweglauf: morgens um 6 Uhr versammeln sich 454 Einzel-Läufer*innen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion im Prenzlauer Berg um sich in das Abenteuer 100Meilen Berlin zu begeben. 100Meilen, die die Teilnehmer*innen auf eine Reise voll körperlicher und mentaler Herausforderungen schicken. 100Meilen, die die Teilnehmer*innen auch immer wieder mit der jüngsten deutschen Geschichte der Berliner Mauer konfrontieren. 100Meilen, die sie ermutigen, nicht zu vergessen, was Mauern mit Menschen machen können. 100Meilen voller Laufen und voller Emotionen. So soll es sein.

Eine Stunde nach den Einzerläufer*innen starten auch die Staffeln. Hier gibt es mit insgesamt 123 Staffeln einen neuen Teilnahmerekord. Anfangs spielt das Wetter wunderbar mit. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und wenig Wind sorgen für eine super Laufatmosphäre. Doch 100Meilen gehen nicht ohne Überraschungen. Irgendwann kommt die Sonne raus. Es wird heiß und schwül. Alle kämpfen. Erst die Nacht bringt etwas Abkühlung und klarere Luft. Sonntagmorgens kommt dann der Regen. Wer mehr als 24 Stunden gebraucht hat, wird sich erinnern. Zwischen 7 und 12 Uhr wollte der Regen eigentlich nicht mehr aufhören und Läufer*innen und Helfer*innen waren gleichermaßen durchnässt. Doch auch das gehört dazu und macht die 100Meilen Berlin zu dem was es ist – zu einem ganz besonderen Rennen, das nie an Spannung missen lässt:

Von Anfang führt der 61jährige Niederländer Jan-Albert Lantink das Läuferfeld an. In einem Tempo von weit unter 5:00min/km fliegt der Gewinner des Berliner Mauerweglaufes 2017 beinahe über die Strecke.  Hinter ihm folgt stark und konstant Sascha Dehling, ‚Lokalmatador‘ der LG Mauerweg – aufschließen kann er jedoch nicht. Lange sieht alles nach einem deutlichen Sieg aus. Doch bei KM 108 am VP ist diesmal Schluss für Lantink. Er gibt freiwillig auf. Nun ist das Feld frei für Dehling, der sich das sicher nicht so gedacht hat. Schließlich wollte er eigentlich nur einen langen Trainingslauf für den anstehenden Spartathlon (246 KM) in Griechenland machen. Nun die unerwartete Chance auf den Sieg. Und er ergreift sie: Nach fantastischen 14:37:44 Stunden überquert Sascha Dehling die Ziellinie und gewinnt die 100 Meilen Berlin 2019. Frank Ewen aus Delbrück wird mit knapp 45 min Rückstand in 15:20 hrs zweiter Einzelläufer, dritter Mann wird Sven Herder aus Dresden in 15:4 5hrs.

Eine Riesenüberraschung gibt es in der Wertung der Frauen: Die 27jährige Eleonora Rachele Corradini aus Italien wird Gesamtdritte (noch vor dem dritten Mann!) der 100Meilen Berlin und gewinnt die Frauenwertung mit über 3 Stunden Vorsprung. Mit einer Zeit von 15:22:49 Stunden verbessert sie zudem den Streckenrekord für die Frauen um über 6 Minuten! Corradini dominiert das Rennen von Anfang an. Zunächst noch gemeinsam in einer Gruppe mit ihren italienischen Teamkollegen unterwegs, lässt sie diese irgendwann weit hinter sich und läuft ihr Rennen alleine nach Haus. Zweite Frau im Ziel wird Dany Möhle aus Östereich in 18:27 Stunden, 30 Minuten später folgt mit Nadia Comiotto eine weitere Italienerin unter die ersten Drei.

Großen Jubel gab es auch bei den Staffeln. Hier traten gleich mehrere starke Teams von Anfang an in den direkten Wettkampf und gaben alles um sich gegenseitig die Minuten abzunehmen. Am Ende nutzen die LG Mauerweg ihren Heimvorteil: Ihre 10+ Staffel Fast Forward rast in 11:03:08 Stunden über die Ziellinie –  das ist neuer Streckenrekord! Was für eine Teamleistung! Mit etwas Abstand folgt das Team Axel des Axel Springer Verlags. Gerade noch unter 13 Stunden schafft es mit einem fulminanten Endspurt auch die Staffel der Berlin Social Runners.

Bei den 4er Staffeln gewinnt No (b)orders in einer starken Zeit von 13:38 Stunden vor den japanischen Freunden von C.R.K.K.K. Japan in 14:10 Stunden und den 4 Vegan Runners in 14:13 Stunden.

Die ersten Einzelläufer*innen sind bereits im Ziel, als sich auch die erste 2er-Staffel in Riesenschritten dem Ziel nähert. Das Team aus Berlin braucht 15:33:28 Stunden bis zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion und kann es dort selbst kaum fassen, dass sie die ersten sind. Mit gut 1.5 Stunden Abstand folgen die Marzahner Atzen in 17:09 Stunden, dicht gefolgt von den Hänschs aus Bayern in 17:13 Stunden.

Es ist immer wieder eine besondere Freude, den Staffeln bei ihrer Teamleistung zu zuschauen – ganz besonders dann, wenn die Schlussläufer*innen im Stadion von ihren Teams erwartet und auf der Stadionrunde begleitet werden. Denn auch das ist der Mauerweg: Gemeinsam bis ins Ziel!

Ein wichtiger und emotionaler Moment bei jedem Mauerweglauf ist das Innehalten und das Gedenken an das Maueropfer. Diesmal würde Dieter Wohlfahrt gewürdigt, der als Student in Westberlin anderen Menschen bei ihren Fluchtversuchen half. Dabei wurde er 1961 von ostdeutschen Grenzsoldaten erschossen. Die Teilnehmer*innen des Mauerweglaufs konnten an der Gedenktafel von Dieter Wohlfahrt bei KM 55 innehalten und kleine Karten mit ihren Gedanken beschriften. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie viele der Läufer*innen kurz verweilen und so den Geist des Mauerweglaufs am Leben halten.

Ganz positiv emotional kann man werden, wenn man sich die Motivation, Begeisterung und Leistung der ehrenamtlichen Helfer*innen anschaut. Mehr als 400 Volunteers haben über das ganze Wochenende dafür gesorgt, dass der 8. Mauerweglauf ein Erfolg wird und die Läufer*innen sich aufs Laufen konzentrieren können. Und die Teams der 26 Verpflegungspunkte haben sich wieder selbst übertroffen, um die Teilnehmer*innen so gestärkt wie möglich wieder auf die Strecke zu schicken. Dazu gab es aufmunternde und motivierenden Worte, jede Menge Lächeln, Anfeuern und viele gute Wünsche. Dieser ganz besondere, fast schon familiäre Charakter der 100Meilen Berlin zeigt sich auch wieder bei der abschließenden Siegerehrung. Wie jedes Jahr wurden alle Finisher auf die Bühne geholt um ihre Medaillen entgegen zu nehmen und damit ein ganz besonderes Wochenende abzuschließen.

Wir freuen uns, wenn es am 15. und 16 August 2020 wieder heißt: „Niemand hat die Absicht 100Meilen zu laufen. “ (Als ob euch das jetzt noch jemand glauben würde….)

Alle Ergebnisse 2019

Für die Statistik:

Gestartet Ins Ziel gekommen
Einzel männlich 366 282 (77%)
Einzel weiblich 88 68  (77%)
2er Staffel 41 38 (93%)
4er Staffel 52 50 (96%)
10+ Staffel 30 30 (100%)

 

Berichte aus Deutschland:


100 Meilen Berlin - Der Mauerweglauf |